Von einem Foto, das zum Wiedersehen einlädt - die Geschichte eines Moments

Wiedersehen - Foto: Stephanie Brall(von Stephanie Brall) Früh morgens um drei Uhr kommen wir in Kairo an, mein Bruder holt uns vom Flughafen ab, in einem uralten Taxi rattern wir durch menschenleere Straßen, die sich wenige Stunden später ins lärmende Gegenteil verwandeln würden. Nach unserer langen Reise durch die Welten und durch die Nacht kommen wir in der WG meines Bruders an und hier beginnt sie dann wirklich. Die Reise. Mit einem gemeinsamen Espresso, auf dem Balkon, Blick über Garden City, die Dächer voller Satellitenschüsseln, unzählige Vögel zwitschern in den Bäumen, noch ist es kalt, aber es würde ein heißer Tag werden, die Sonne geht grade auf. Während mein Mann und ich nach einer verrücktvollen Woche in Ägypten wieder zurück nach Deutschland fliegen, begibt sich mein Bruder auf eine dreimonatige Reise quer durch Afrika, ganz alleine, über Land - Sudan, Äthiopien, Kenia, Uganda, Ruanda, Tansania, Malawi, Mosambik, Namibia, Südafrika … Kapstadt ist sein Ziel. Als ich zu Hause auf meinem Rechner den Fotos unserer Reise nachschaue, bleibe ich bei den beiden Tassen hängen, die eine schon gefüllt, die andere noch leer, und ich erinnere mich an den gemeinsamen Moment an jenem Morgen in Kairo und wünsche mir, bete, meinen Bruder nach seinem großen Abenteuer wieder zu sehen. Manchmal kann ein Foto wie ein Gebet sein. Die leere Tasse neben der vollen - ein Platz für den, der fehlt. Beim Erstellen der einzelnen Postkarten für das neue Postkartenbuch kommt dieses Foto dann später mit in die engere Auswahl. Und ich schreibe auf die Vorderseite der Postkarte: WIEDER:SEHEN. Und auf die Rückseite: Dein Platz // Bleibt // Frei.Vor einer Woche ist mein Bruder wieder in Frankfurt gelandet, wenig später klingelt er in Krefeld an unserer Tür - mit seinem Rucksack auf dem Rücken, voller Geschichten. Bald sitzen wir zusammen, diesmal auf unserem Balkon. Wir essen, reden bis in die tiefe Nacht hinein, feiern unser Wiedersehen und die Zeit dazwischen und … trinken Espresso. WIEDER:SEHEN - die Geschichte eines Moments. Und zweier Tassen, die zur Sehenswürdigkeit wurden beim nochmaligen Hinsehen, beim wieder Sehen. Und die Geschichte eines Gebets, das gehört wurde. Und für alle, die Fernweh haben, können auf der folgenden Seite 111 unglaubliche Tage Afrika mit meinem Bruder erleben - für jeden Tag ein Foto: 111 Tage mit Martin in Afrika